Was hat Sie am meisten überrascht, seitdem Sie vor drei Monaten als COO zu Educa und der Geschäftsstelle Edulog gestossen sind?

Antwort: Wie wenig Zeit nach dem politischen Entscheid der Kantone im Herbst 2019 und der betrieblichen Umsetzung der Föderation verstrichen ist. Wie schnell das ging, und dass es dann auch tatsächlich auf Anhieb funktioniert hat, das ist wirklich erstaunlich. Die Geschäftsstelle Edulog hat gemeinsam mit ELCA einen technischen Dienst aufgebaut, es wurden erste Kantone aufgeschaltet, und wir haben jetzt bereits rund zehn Dienstleistungsanbieter an Bord. Hinzu kommt die qualitative Aufbereitung der Prozesslandschaft, inklusive ISO-27001-Zertifizierung. Das ist für einen derartigen Pionierbetrieb absolut ungewöhnlich und beispielhaft.

Wieso?

Erstens die Methodik und Umsetzungszeit: Man hat das Ding mit wenig Ressourcen und in hoher Geschwindigkeit umgesetzt. Es ging wirklich darum zu sagen: Ja wir tun es! Und es wurde sehr pragmatisch gearbeitet. Für eine, sage ich mal, halb öffentliche und inzwischen komplett öffentlich-rechtliche Institution, die manchmal auch trägeren Prozessen unterworfen ist – wie zum Beispiel den Beschaffungsgesetzen – welche einem stringenten Zeitrahmen unterliegen. Das ist nicht selbstverständlich. In Startup-Firmen mag solches Handeln manchmal gelingen, im öffentlich-rechtlichen Bereich habe ich das noch nie erlebt, dass ein so komplexes Vorhaben so schnell in der Qualität zustande gebracht wurde.

Und andersherum: Was hat Sie nicht überrascht?

Aktuell steht das Fahrzeug Edulog zum Fahren bereit, aber bei den Kantonen und den Identitätsanbietern herrscht zum Teil noch eine Zurückhaltung der Föderation beizutreten. Das hat mich nicht überrascht, da solche fundamentalen Entwicklungen im föderalen System Zeit brauchen. Daran arbeiten wir; meine Vision ist es, dass alle 26 Kantone oder mindestens mehr als 20 der Föderation beitreten werden. Verbleibende Bedenken werden schwinden, die Nutzung wird für alle Mitwirkenden einen deutlichen Benefit generieren. Bildungspolitischer Wille ist das Stichwort: Es ist ganz wichtig, dass dem Entscheid von Ende 2019 schweizweit Taten folgen. Edulog schafft eine wichtige Gelingensbedingung für eine nachhaltige Digitalisierung im Schweizer Bildungswesen.

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Bildungspolitischer Wille ist das Stichwort: Es ist ganz wichtig, dass dem Entscheid von Ende 2019 schweizweit Taten folgen.

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Wo wollen Sie nun ansetzen, um die Anzahl der Identitäts- und Dienstleistungsanbieter weiterzuentwickeln?

Das Verhältnis zwischen Identitäts- und Dienstleistungsanbietern muss stimmig sein. Auf beiden Seiten, also einerseits bei den mitwirkenden Kantonen und andererseits bei den nutzbringenden Diensten, müssen wir in den nächsten Monaten signifikant wachsen. So wird die Akzeptanz von Edulog am Ende auch da sein, wo sie sein sollte. Meine Vision, grob gesagt: Doppelt so viele Dienstleistungsanbieter und Identitätsanbieter in einem halben Jahr, und im nachfolgenden Jahr eine nochmalige Verdoppelung. Das wäre ein Grobziel, das wir zwingend erreichen sollten. Dazu ist auch der bildungspolitische Wille der Kantonsverantwortlichen unabdingbar.

Was macht die Geschäftsstelle konkret, um die Anzahl Identitäts- und Dienstleistungsanbieter zu erhöhen?

Auf der Seite der Identitätsanbieter richten wir für die Kantone ein Key Account Management ein. Mit dieser Initiative werden wir den Kantonen weitere Hilfsmittel bereitstellen. Wir wollen uns so aufstellen, dass wir technische, rechtliche oder organisatorische Fragestellungen, aber auch Bedenken und Unsicherheiten noch besser und schneller aus dem Weg räumen können. Und auf der Seite der Dienstleistungsanbieter haben wir mit der aktiven Gewinnung neuer Dienste begonnen, die nutzbringend sind für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die einzelnen Bildungsinstitutionen.

Eine zentrale Herausforderung ist natürlich, dass wir innerhalb der Föderation keine Datenschutz-Verletzungen haben. Alle Dienstleistungs- und Identitätsanbieter müssen den Föderationsvertrag zwingend einhalten. Besonders sensibel ist der Umgang mit den Attributen, die wir über Edulog bereitstellen. Da können wir keine Abweichungen dulden, und das kontrollieren wir aktiv. Wir möchten nicht Dienste suspendieren, sondern Dienste, die Nutzen und Akzeptanz von Edulog steigern, fördern. Wir dürfen keinen Reputationsverlust riskieren, das wäre eine Bremse im ganzen Momentum der Föderation.

Wie werden die Identitäts- und Dienstleistungsanbieter involviert?

Wir fragen die kantonalen Bildungsverantwortlichen, welche Dienste gewünscht werden. Es nützt nichts, wenn wir irgendwelche Dienste aufschalten, die dann keinen Nutzen bringen. Dieser Austausch findet bereits statt, aber wir können ihn definitiv noch verbessern.

Und schliesslich haben auch Sie Anrecht auf einen Wunsch an die Edulog-Fee: Was möchten Sie ihr anvertrauen?

Punkt 1: Dass wir mit Edulog nicht nur eine nationale Bedeutung gewinnen, sondern durchaus im europäischen Raum eine Anerkennung erhalten; dass die Föderation ihr Potenzial und ihren Nutzen in einem mehrsprachigen Kontext auch über unsere Landesgrenzen hinweg sichtbar wird.

Punkt 2: Dass die Verbindung zwischen der französisch-, der deutsch-, der italienisch- und der rätoromanischen Schweiz noch intensiviert wird; dass die Föderation dazu beiträgt, politische und kulturelle Brücken zu bauen.