Frage: Der Kanton Freiburg gehört zu den Pionieren bei der Implementierung von Edulog. Was hat Sie motiviert?

Philippe Froidevaux: Die Implementierung entspricht zunächst dem Bedürfnis, die digitale Technologie besser in die Lehrpläne der Schulen im Kanton Freiburg zu integrieren. Damit dies gelingen kann, muss die Anwendung für die Nutzenden so einfach wie möglich gestaltet werden, insbesondere durch ein einziges, leicht einprägsames Authentifizierungsmittel, das allen Plattformen mit digitalen Lehr- und Lernressourcen gemeinsam ist. Eines unserer Anliegen ist es also, die Anwendung für die Nutzenden so einfach wie möglich zu machen, ein weiteres, ihre Daten zu schützen. Durch das Angebot von Diensten, die über eine hoheitliche Föderation zugänglich sind, verstärken wir den Schutz der persönlichen Nutzerdaten. Der Dienstleistungsanbieter erhält so in der Regel nur die für die Ausführung der Produkt- bzw. Serviceleistung absolut notwendigen Daten. Edulog integrieren wir zudem aus rein pragmatischen Gründen: Im Zuge der aktuell laufenden Harmonisierung des Informationssystems unserer Schulen wird das Identitätsmanagement einer der ersten harmonisierten Systembausteine sein. Die technische Integration der Föderation lässt sich in diesem Rahmen ganz einfach wahrnehmen. So machen wir es einfach, wenn wir schon können.

Sie haben in den letzten Jahren das digitale Identitätsmanagement im Bildungsbereich Ihres Kantons gründlich unter die Lupe genommen. Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gewonnen...?

Die Harmonisierung der Informationssysteme unserer Schulen ist eine notwendige Voraussetzung für ein zentrales und geordnetes Identitätsmanagement. Diese Harmonisierung erfolgt zugleich auf technischer, organisatorischer oder politischer Ebene. Das Ineinandergreifen dieser verschiedenen Interventionsebenen ist mit komplexen Projekten verbunden, bei denen Arbeitsprozesse und Nutzeranwendungen überdacht werden müssen. Ein solches Projekt erfordert die Bereitschaft, mit Zehntausenden von Dossiers umzugehen, die Qualität der Schülerdaten sicherzustellen, die verschiedene Bildungsstufen (Primar-, Sekundar-, Gymnasialstufe, Berufsschulen, Musikschulen, Hochschulen) mit ihrer jeweils eigenen Organisation und Gesetzgebung miteinzubeziehen. Dies ist äusserst komplex, und das Vorbestehen einer zentralen kantonalen Stelle ist für den reibungslosen organisatorischen Ablauf schlicht unverzichtbar. Im Kanton Freiburg gab es glücklicherweise bereits die Fachstelle Fritic, die von den Bildungseinrichtungen mit diesen Aufgaben betraut werden konnte.

… und welche Besonderheiten mussten Sie im Hinblick auf die Zweisprachigkeit beachten?

Der Staat Freiburg setzt alles daran, die Bildungspraxis zwischen den beiden Sprachregionen zu harmonisieren und so die Kosten für die Projektimplementierungen – ob organisatorischer, technischer oder pädagogischer Art – zu minimieren. Trotzdem gibt es natürlich weiterhin Unterschiede. Die Leitung für das Projekt zur Harmonisierung des Identitätsmanagements wurde der – zweisprachigen – Fachstelle Fritic übertragen. In Bezug auf das Identitätsmanagement hat die spezielle Topologie, die sich aus Freiburgs Zweisprachigkeit ergibt, keine nennenswerten Schwierigkeiten bereitet.

Welche Dienste möchten Sie Lernenden und Lehrpersonen beider Sprachregionen via Edulog prioritär zur Verfügung stellen?

Oberste Priorität gilt natürlich den offiziellen Lehrmitteln von Dienstleistern, die dem Lehrplan21 für die deutschsprachige Region entsprechen, sowie den offiziellen digitalen Lehrmitteln gemäss PER (Plan d’étude Romand) und MER (Moyens d’enseignement Romands) - also gemäss Lehrplan und Lehrmitteln für die französische Schweiz. Für die Berufsbildung definieren die verschiedenen Organisationen der Arbeit (OdA) ebenfalls standardisierte interkantonale Tools. Eine Edulog-Anbindung empfiehlt sich somit allen Kantonen, die diese Ressourcen nutzen. In einem zweiten Schritt hoffen wir, die den pädagogischen Bedürfnissen bzw. Zielen entsprechenden kommerziellen Produkte noch leichter integrieren zu können.

Wo genau verorten Sie Edulog mit Blick auf die gesamtgesellschaftliche digitale Transformation?

Mit Edulog gewinnt die Schweiz einen Vertrauensraum, in dem die Nutzerdaten besser geschützt und die Ressourcen besser gemeinsam genutzt werden können. Ein Beispiel zum letzten Punkt: Für educa.ch mit 26 angeschlossenen Kantonen ist es einfacher, mit Dienstleistungsanbietern wie Microsoft oder Google Rahmenverträge auszuhandeln. Ein einzelner Kanton hat für solcherlei Verhandlungen zu wenig Gewicht. Folglich ist Edulog dank eines vereinfachten Sharings von Ressourcen und Kompetenzen ein wichtiger Player in der digitalen Bildungslandschaft der Schweiz.

Zum Schluss haben Sie bei der Edulog-Fee noch einen Wunsch offen: Welchen Herzenswunsch soll sie Ihnen in der Zukunft erfüllen?

Wir erwarten von Edulog Rahmenverträge mit Organisationen, die sich auf die Herstellung von pädagogischen Tools spezialisiert haben, sowie die Bereitstellung dieser Tools für sämtliche Kantone zum besten Preis. So könnten die kantonalen Fachstellen, wie Fritic für den Kanton Freiburg, Ressourcen einsparen, indem sie sich bei der Evaluation und Integration dieser digitalen Lehrmittel auf einen interkantonalen Kompetenzverbund abstützen. Wirklich wünschenswert wäre eine Vernetzung der Fachstellen und ihre kooperative Zusammenarbeit bei der Unterbreitung und Prüfung von Ressourcen, während es letztlich educa.ch vorbehalten wäre, die Verhandlungen über die technischen und finanziellen Konditionen zu führen. Wir sollten aber nicht vergessen, dass nur schon das Bestehen von Edulog einem strategischen Bedürfnis der Kantone entspricht. Mit Edulog wurde bereits ein wahres Wunderwerk erschaffen.